Ohrloch selber dehnen


Zu den angesagten Trends in der Piercing-Szene zählen vor allem die sogenannten Flesh Tunnel oder auch nur Tunnel genannten Ohrpiercing-Kanäle, die Schritt für Schritt erweitert werden. In den meisten Fällen werden sie in das Ohrläppchen gestochen, sie können aber an anderer Stelle gestochen werden. Für einen Tunnel sollte das Ohrläppchen mindestens eine Stärke von 1,6 mm aufweisen. Da die Flesh Tunnel immer häufiger zu sehen sind, sinkt auch die Zahl der Skeptiker, die ein solches Piercing für gesundheitlich bedenklich halten, während die Zahl der Nachfragen von jenen rapide steigt, die ebenfalls einen Flesh Tunnel als Piercing haben möchten. Wer über ein solches Piercing nachdenkt, sollte sich vielleicht bei einem Träger eines Tunnels oder einem erfahrenen Piercer über die Vor- oder Nachteile dieses speziellen Piercings informieren. Denn die Dehnung eines Tunnels nimmt einige Zeit in Anspruch und kann bei falscher Handhabung zu umfassenden Verletzungen führen und durchaus dem Körper schaden. Deshalb ist eine fachkundige Beratung durch einen kompetenten Piercer so wichtig, damit der Tunnel problemlos entsteht.

Es gibt selbstverständlich verschiedene Methoden, um einen Tunnel fachgerecht zu dehnen, wobei einige Methoden schonender sind als andere und manche erweisen sich als effektiver. Aber egal, welche Variante für den Flesh Tunnel gewählt wird, sie darf dem Körper keinen ungewollten Schaden zufügen, wobei jeder Mensch auch anders ist und sein Körper unterschiedlich auf die Behandlungen reagiert. Die folgende Aufzählung zeigt die gängigen Methoden auf:

Das Selbstdehnen:
Dieser Vorgang ist auf jeden Fall vom Ergebnis her die schönste Methode, obgleich sie auch am längsten dauert. Zudem ist sie eine schmerzfreie Variante. Dabei wird der Stichkanal eigenmächtig durch einen sogenannten Dehnexpander ausgedehnt. Dieser Vorgang dauert Wochen oder Monate und in dieser Zeit müssen die Dehnexpander regelmäßig gegen größere Exemplare getauscht werden. So kann der Stichkanal Millimeterweise ausgedehnt werden, was relativ schmerzfrei ist, da sich das Gewebe daran anpassen kann statt es mit Gewalt reißen zu lassen. Die Grenze zeigt sich durch einen leichten Druck auf, der beim Dehnen entsteht. Dabei ist es wichtig, dem Gewebe eine Regenerationsphase einzuräumen. Beispielsweise soll ein Ohrloch von 0,8 bis 1,6 mm auf 10 mm ausgedehnt werden. Hierfür empfiehlt es sich, schrittweise 1 bis 2 mm Expander zu nutzen. Also könnte der erste Expander 2 bis 2,5 mm Größe haben, während der Nächste nach einigen Wochen eine Stärke von 4 mm hat. Sobald das Endmaß erreicht ist, wird der ein 6 mm Expander und darauf ein 8 mm starker Dehnexpander verwendet. Nach etwa 10 Wochen sollte die Wunschgröße von 10 mm erreicht sein. Es ist überaus wichtig, dass diese Zwischenschritte mit dem entsprechenden Werkzeug eingehalten werden, damit die Dehnung auf eine natürliche Art entsteht. Wer allerdings gleich mit einem 10 mm Expander anfängt, bekommt sofort eine rasche Dehnung, die allerdings auf beiden Seiten unterschiedlich stark ausfällt. Zudem wäre auch eine schmale Stelle des Expanders noch dicker als das zu weitende Ohrloch, was das Einsetzen des Expanders kaum möglich macht. Es führt nur dazu, dass die Haut des Ohrlochs einreißt. Die Erfahrung zeigt einfach, dass mehrere Zwischenschritte eine schmerzfreie und einfache Dehnung des Stichkanals garantiert.

Der Expander
Zum Dehnen wird ein Expander verwendet, wobei die Vorlieben der Träger bezüglich des Materials und der Ausführung sehr unterschiedlich. Allerdings empfehlen viele erfahrene Piercer Expander in Sichelform zu wählen, da sie genauso wie Spiralen aufgrund ihrer Form eine längere Dehnstrecke aufweisen, die entsprechend schonender und nachhaltiger wirkt. Zudem haben sie einen besseren Halt im Ohr und weisen einen höheren Tragekomfort auf, was beispielsweise im Schlaf angenehm ist. Außerdem können sie bereits als Schmuck getragen werden. Dagegen erweisen sich Stäbe als unauffälliger, wobei jedoch bei diesen Expandern ein höheres Verletzungsrisiko besteht, da sie ähnlich wie ein Pfahl funktionieren.

Expander Arcylic
Eine andere Methode des Aufdehnens erfolgt mit Silikontunneln, wobei ein flexibler Tunnel mit einem jeweils nächstgrößeren Durchmesser eingesetzt wird, der anschließend aufgeploppt wird. Allerdings hat der Träger bei dieser Methode kaum eine Kontrolle über den Dehnvorgang. Daher ist diese Methode umstritten und wird von erfahrenen Piercern erst ab einer Größe von 14 mm empfohlen, um Schäden an der Haut zu vermeiden.

2 in 1 Tunnel - Dehner
Diese Expander haben den Vorteil, dass sie weniger oft ausgetauscht werden müssen und sich direkt am Expander durch eine Schraube auf die passende Größe einstellen lassen.

Beim Dehnen beachten
Der Dehnvorgang selbst ist zwar nicht schwierig, verursacht aber keine Schmerzen oder Probleme, wenn folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • ein Ohrloch muss mindestens 8 Wochen ausgeheilt werden, bevor es gedehnt werden kann. Ein geschossenes Ohrloch sollte sogar noch älter sein.
  • Desinfektion von Händen, Werkzeug und Ohrloch vorm Ersteinsatz
  • Gleitgel oder Vaseline machen das Ohrloch geschmeidig und erleichtern den Einsatz.
  • Regelmäßige Desinfektion um bakterielle Infektionen zu vermeiden
  • heißes Duschen oder Bäder machen die Haut weicher und erleichtern das Dehnen
  • Expander müssen ständig getragen werden, da sich der Kanal sonst umgehend zusammenzieht.
  • das gedehnte Gewebe kann bis zu einer Größe von 8 bis 10 mm wieder zurückziehen
  • Die Dehnung durch den Expander sollte 1 mm pro Woche nicht überschreiten, um das Gewebe zu schonen
  • bis zu einer Größe von 4 mm sollte vorzugsweise mit Stahl oder Kunststoff gedehnt werden
  • Expander aus organischen Materialien wie Knochen oder Holz oder auch aus Silikon erweisen sich oft als weniger glatt und können außerdem zu einem Bakterienherd werden. Sie sollten vorwiegend als Schmuckeinsätze getragen werden, damit sie keinen vermeidbaren körperlichen Schaden hinterlassen