piercing-materialkunde

Es gibt zahlreiche Materialien, aus denen sich modischer Piercing Schmuck herstellen lässt. Dazu gehören unter anderem Chirurgenstahl, PTFE, Bioplast, Titan, Horn, Silber, Gold, Knochen und Holz.

925 Sterling Silber
Bei Silber gibt es Qualitätsunterschiede, wobei 925 Silber auch als Feinsilber bezeichnet wird, und Silber gehört zu den beliebten Schmuck Materialien. Feinsilber hat den Vorteil, dass es frei von Nickel ist und daher auch von Nickelallergikern getragen werden kann. Leider eignet sich Feinsilber oder Sterling Silber nicht für Silberallergiker oder als Ersteinsatz, da es in Kontakt mit Schweiß und Sauerstoff chemisch reagiert, wodurch der Schmuck dunkel oder schwarz anläuft. Um solche Reaktionen zu vermeiden, wird der Feinsilber Schmuck oftmals mit einer Rhodiumschicht überzogen.

Acryl
Acryl gehört zu den Kunststoffen und sollte erst bei einem ausgeheilten Piercing zum Einsatz kommen, da es über eine leicht raue Oberfläche verfügt, in denen sich Bakterien oder auch Körperflüssigkeiten in winzigen Poren ansammeln können. Aus diesem Grund sollte Schmuck aus Acryl in regelmäßigen Abständen gründlich gereinigt werden.

Bioflex
Dagegen weist das sogenannte Bioflex eine ausgesprochen glatte Oberfläche auf. Da Bioflex keinerlei Nickelspuren enthält, eignet es sich ausgezeichnet für Allergiker. Seine biegsame Struktur passt sich auch den Körperkonturen an und es lässt sich leicht auf jede gewünschte Länge kürzen. Es ist in diversen Farben erhältlich und ein Gewinde wird durch den Aufsatz von Metall selbst gefertigt.

Bioplast
Bioplast ist ebenfalls ein Kunststoff, der eine glatte Oberfläche aufweist. Wie Bioflex enthält es keinerlei Spuren von Nickel, was es auch für Allergiker zu einer Alternative macht. Die flexible Form kann sich an verschiedene Körperstrukturen anpassen, wodurch es angenehm zu tragen ist. Bioplast lässt sich problemlos auf eine bestimmte Länge kürzen und ein Gewinde lässt sich durch ein Metall in das Bioplast schneiden.

Chirurgenstahl 316L
Chirurgenstahl wird vorrangig in der Medizin für rostfreie Werkzeuge verwendet, da es eine unsichtbare Oxidschicht besitzt, welche eine Oberflächenoxidation verhindert. Erfahrene Piercer empfehlen den Einsatz von Chirurgenstahl nur bei ausgeheilten Piercings, da diese Einsätze doppelt so schwer wie zum Beispiel Titan sind. Der Chirurgenstahl 316 L und 316 LVM enthält nachweislich Nickel. Trotzdem gibt er keine Nickelsalze ab und verursacht bei einem Körperkontakt auch wie andere Legierungen keine Nickelkontakt-Dermatitis. Darum kann Chirurgenstahl Piercing Schmuck ohne Zeitlimit getragen werden, wobei es auch alle Kriterien erfüllt, die in der EU-Nickeldirektive enthalten sind. Die Qualität des Schmucks misst sich beim Chirurgenstahl an den Oberflächeneigenschaften, wobei der Chirurgenstahl immer beste Oberflächeneigenschaften aufweisen sollte.

Organics
Dieser Piercing Schmuck besteht aus natürlichen Materialien wie Holz, Knochen oder Horn. Es saugt Öl und Schweiß auf, was einer Geruchsbildung entgegenwirkt, was diese Materialien bei Piercing-Trägern so beliebt macht. Organics eignen sich auch hervorragend als Ohrschmuck oder für größere Piercings, da sie ein geringeres Eigengewicht haben. Das für Piercing verwendete Horn wird von Wasserbüffeln gewonnen, ohne das den Tieren ein Schaden entsteht. Es handelt sich dabei um ein Nebenprodukt.

PTFE
Der thermoplastische Kunststoff Polytetrafluoräthylen wird auch mit PTFE abgekürzt, ist aber besser unter dem Namen Teflon bekannt. Der Kunststoff PTFE besitzt ausgezeichnete Eigenschaften, die es zu einem hervorragenden Material für Piercing Schmuck machen. Es kann praktisch unbegrenzt getragen werden und eignet sich auch besonders gut zum Piercen, da es eine glatte und gleitfähige Oberfläche aufweist. Zudem haften an dieser Oberfläche keinerlei Fremdsubstanzen wie zum Beispiel Wundsekret. Es ist auch gegen verschiedene Chemikalien resistent, was dieses Material auch für den Einsatz in Schleimhäuten geeignet macht. Das PTFE hat als Piercing-Material folgende Vorzüge: - es ist leicht - es weist eine hohe Flexibilität auf und lässt sich auf jede Länge kürzen - Gewinde lassen sich leicht eindrehen - es hält Temperaturen zwischen -200 und +260 °C stand - ist sterilisierbar - muss beim Röntgen nicht entfernt werden Da es sich den Körperstrukturen anpasst und auch leicht verformbar ist, eignet sich das PTFE auch für den Ersteinsatz bei einem Piercing. Ebenso ist es für besonders empfindliche Piercings wie die Bridge oder die Augenbraue hervorragend geeignet und übertrifft sogar Titan. Auch für Piercings, die schlecht abheilen, empfiehlt sich die Verwendung von PTFE.

Pyrex
Das extrem starke Glas Pyrex hat eine porenfreie Oberfläche und behält seine Temperaturen unter allen Umweltbedingungen.

Schwarzer Stahl
Auch Chirurgenstahl 316L wird für Piercings mit einer PVD-Beschichtung überzogen, um die Oberfläche widerstandsfähiger zu machen.

Schwarzes Titan
Das Titan Ti 6Al-4V ELI wird für die Optik mit einer PVD (physical vapor deposition)- Beschichtung versehen, wodurch die Oberfläche widerstandsfähiger wird.

Titan
Wenn von Titan Piercing Schmuck die Rede ist, wird meist kein reines Titan sondern eine Titanlegierung namens Ti 6AL-4V ELI verwendet. Diese Legierung enthält Beimischungen von 4 Prozent Vanadium und 6 Prozent Aluminium, weshalb die Oberfläche gegen Kratzer resistenter ist. Zudem behandeln wir diese Titanlegierung mit einer schonenden Polierung, wodurch ein besonders schöner Glanz und eine überaus glatte Oberfläche entsteht, die beim Heilungsprozess förderlich ist. Das Ti 6Al-4V ELI wird auch im medizinischen Bereich für Implantate verwendet, da der Zusatz ELI bedeutet, dass die Fremdatomeinlagerung durch Eisen oder Sauerstoff überwacht wird. Dank der geringeren Anzahl an Fremdatomen verringert sich die Anzahl an störenden Einschlüssen wie sich auch die Bruchfestigkeit steigert. Ti 6Al-4V ELI ist frei von Nickel, wiegt die Hälfte von Stahl und lässt sich anodisieren.